Guido Heiland

Kommunalpolitische Leitfigur

Gemeindevorsteher 1919 bis 1926

* 3. Juni 1881 in Zschorlau/Kreis Zwickau (Sachsen)
✝ 19. März 1957 in Marl

5. Mai 1912 Arbeitsbeginn auf der Zeche Brassert
1912 Mitgründer des SDP-Ortsvereins Marl
3. August 1914 bis 24. Juli 1918 Kriegsteilnahme
9. November 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates Marl
2. März 1919 Gemeindevertreter von Marl (SPD)
9. Mai 1926 Mitglied der Amtsvertretung und des Kreistages
1926 Angestellter des Elektrizitäts-Werkes, Kassierer
13. März 1933 Flucht nach Amsterdam
1. Juli 1946 Eintritt in den Ruhestand
15. September 1946 Mitglied der Amtsvertretung Marl bis 1956

14 Jahre dominierte er die Marler Politik, acht Jahre war er Ortsvorsteher, während seine SPD bei Kommunalwahlen in der Weimarer Republik nie über ein Quoten-Mittelmaß hinauskam. Der Bergmann Guido Heiland, Arbeitsmigrant aus Sachsen, legte als Politiker den Grundstein für die Struktur des Industriedorfes, das später (unter seinem Sohn Rudi als Bürgermeister) eine bundesweit bewunderte Entwicklung hinlegte.

Nachdem er im März 1912 im Ölsnitzer Revier einen Bergarbeiter-Streik angeführt hatte, ließ Heiland sich zur Zeche Brassert in Marl abwerben und brachte seine drei Kinder (Kurt, Marta und Rudolf; Helene wurde in Marl geboren) mit nach Westfalen. Hier konnte der Atheist und Vorsitzende des Arbeiterrates mit geschickter politischer Führungs- und Kompromissfähigkeit 1919 vier der sechs zur Kommunalwal antretenden Parteien (darunter die zerstrittenen sozialistischen Parteien SPD und USPD) zu einer Listenverbindung gegen die Opposition (Zentrum) vereinen. Die wählten ihn zum Ortsvorsteher – zum Unwillen der Zentrumspartei, die 14 der 30 Sitzen geholt hatte.

Wegen seines energischen und temperamentvollen Einsatzes für die Bevölkerung während der Ruhr-Besetzung 1923/24 bestraften ihn die Belgier mit einer Geldbuße und Ausweisung. Bodenständig und uneitel, zugleich taktisch professionell, schloss er sich nach der Kommunalwahl 1924 mit dem Zentrum und deren Abspaltung „Ordnungsblock“ zusammen, die seine politische moderate Auftrittsweise honorierten und ihn wieder zum Ortsvorsteher machten, obwohl sich die Zahl der SPD-Sitze auf drei halbiert hatte (von insgesamt 30). Erst infolge der kommunalen Neuordnung 1926 verlor der nimmermüde Sozialist bei den Wahlen seine richtungweisende Aufgabe, nicht aber seinen argumentativen Einfluss und seine Beliebtheit in der Bevölkerung.

Zu seinen Verdiensten gehört insbesondere seine Initiative für die Aufstellung eines Entwicklungsplanes für Marl (Rappaport-Plan). Er schaffte mit seiner zupackenden Art in der zerrissenen Parteienlandschaft der Weimarer Republik (mit teils tumultartige Gemeindevertreter-Sitzungen und langwierigen Auseinandersetzungen) zwischen einem katholischen und einem kommunistischen Milieu den Erhalt eines Restes von sozialistischer Einstellung sowie das Freihalten politischer Handlungsspielräume (Bau des Amtshauses und des ersten Freibades im Kreis). Weil er nach der Kommunalwahl 1933 nicht mit den Nazis kooperieren wollte, musste er in die Emigration nach Amsterdam flüchten, von wo er erst im Februar 1946 zurückkehrte. Noch einmal stieg er in die Politik ein und wurde Mitglied in der Amtsvertretung, während sein Sohn als Bürgermeisters an der Spitze der Stadtvertretung stand. Zehn Jahre später verlieh ihm die Stadt die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ und ging damit dem Problem „Ehrenbürger“ aus dem Weg.

Seit Juli 1957, vier Monate nach Heilands tödlichem Verkehrsunfall, erinnert der Name Guido-Heiland-Straße an die markante Persönlichkeit.                              Gert Eiben

Quellenverzeichnis

Personalakte Guido Heiland, StAMa
Festschrift 40 Jahre SPD Marl 1953, S. 29
Festschrift 75 Jahre SPD Marl 1987, S. 12
Interview Bert Donnepp mit Guido Heiland 16.12.1956 (Tonaufnahme, verschriftlicht Eiben)
Entwurf Wiedergutmachungsbescheid 03.05.1957 StAMa
Vorläufiger Verwaltungsbericht für das Rechnungsjahr 1926, StAMa AA.II.-H 274
Antrag auf Einbürgerung 26.01.1914, StAMa AA.I.-383
Marler Zeitung vom 04.06.1956, 21.02.1957, 19., 20. und 21.3.1957
Marler Volkszeitung vom 03.03.1926, 18.04.1926, 14.05.1926, 08.06.1926, 14.07.1926, 30.12.1926, 13.04.1927, 22.07.1927, 13.03.1933
Neueste Nachrichten vom 12.05.1923
Recklinghäuser Zeitung vom 04.12.1920, 22.01.1923, 30.05.1923, 23.08.1923, 04.06.1951
Recklinghäuser Volkszeitung vom 22.02.1919, 02.09.1919, 10.01.1920, 08.02.1921, 01.04.1922, 19.05.1922
Volksfreund vom 06.03.1919, 31.01.1920, 30.04.1923, 27.05.1923, 01.04.1924, 02.06.1924, 01.07.1924
Westfälische Rundschau vom 05.06.1946, 02.06.1951, 02.06.1955

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