Bert Donnepp

Pionier der (Medien-)Bildung

Direktor „insel“-VHS 1949-1979

* 22. April 1914 Roßlau (Sachsen-Anhalt)
✝︎ 16. November 1995 Marl

1934-1940 Studium/Staatsexamen in Leipzig
1943 Heirat mit der späteren NRW-Justizministerin Inge Donnepp
1946 Arbeitsbeginn als Lehrer in Marl
1945-1949 Aufbau der „insel“-VHS sowie der Stadtbibliothek
1950 Promotion zum Dr. phil. in Münster
1961-1964 Aufbau Adolf-Grimme-Preis
1970-1977 Planung und Umzug der „insel“-VHS
1971-1973 Aufbau Adolf-Grimme-Institut
1979 Pensionierung
1995 Professorentitel

Für seine Arbeit in Marl erhielt Bert Donnepp das große Bundesverdienstkreuz, die Stadtplakette und den Verdienstorden des Landes NRW. Seinen Namen tragen der Deutsche Preis für Medienpublizistik Bert-Donnepp-Preis und das Gebäude des Grimme-Instituts am Eduard-Weitsch-Weg.

Doch eigentlich wollte Donnepp, als er 1945 nach Marl kam, um eine Stelle als Lehrer anzutreten, möglichst bald weiterziehen. Er hatte bis 1940 in Leipzig Pädagogik, Philosophie, Publizistik und Geschichte studiert, danach seinen Wehrdienst absolviert und war in Kriegsgefangenschaft, ehe er nach Marl kam.

Schnell wurde er als Lehrer beurlaubt, weil er mit Kursen für entlassene Soldaten im Südlager der CWH, ab 1946 mit Presseschauen, einer kleinen Bibliothek in einer Brasserter Baracke und Kursen in Gemeindehäusern begann. Aus diesen Einrichtungen gründete Marl am 18. Juni 1948 das „Bildungswerk der Stadt Marl“, dessen Direktor Donnepp wurde. 1955 erhielt das Bildungswerk ein eigenes Gebäude am Eduard-Weitsch-Weg (damals Alter Loeweg), das erste seiner Art in der Bundesrepublik. Es diente als Vorbild für viele weitere und wurde von Presse und Politik viel gelobt.

Früh erkannte Donnepp die wachsende Bedeutung des Fernsehens, gründete

Korrespondenzen und hielt Fernsehgesprächskreise in der „insel“-VHS ab. 1961 beschloss der Deutsche Volkshochschulverband (DVV) auf Anregung von Donnepp die Stiftung des Adolf-Grimme-Preises (AGP). Dieser wurde ab 1964 alljährlich in Marl vergeben. Die ersten Wettbewerbe wurden von den Mitarbeitenden der „insel“ organisiert, ehe 1978 das Adolf-Grimme-Institut (AGI) mit der Organisation betraut wurde. Die Gründung des AGI als Medieninstitut des DVV hatte Donnepp seit 1971 vorbereitet, 1973 nahm dieses seine Arbeit auf.

Bereits seit Anfang der 1970er Jahre wurde am Konzept eines Stadtzentrums gearbeitet. Im sog. Riegelhaus sollten nicht nur Stadtbibliothek, Lesesaal und Verwaltung des Bildungswerks untergebracht werden, sondern vor allem Räume für VHS-Kurse. Deren Fehlen hatte Donnepp bereits sehr früh beklagt, da die VHS immer auf Unterrichtsräume in Schulen angewiesen war. Der Einzug in den „Marler Stern“ erfolgte zwischen 1974 und 1977 nach und nach. Ende 1977 konnte das AGI in das „insel“-Gebäude einziehen.

1979 wurde Donnepp als Direktor des städtischen Bildungswerkes pensioniert, blieb aber in beratender Funktion für Stadtverwaltung, AGI und das städtische Bildungswerk sowie publizistisch aktiv.

Im Laufe seines Lebens war Donnepp Gründer und Leiter des Adolf-Grimme-Preises, in Gremien wie der Filmbewertungsstelle der Länder, dem Vorstand des DVV oder dem WDR-Rundfunkrat vertreten und prägte so das Medium Fernsehen in Deutschland entscheidend mit.

Für seine Leistungen ehrte ihn das Land Nordrhein-Westfalen kurz vor seinem Tod 1995 mit dem Professorentitel.

Zeitgenossen würdigten Donnepp als engagierten und ideenreichen, streitbaren und durchsetzungsfähigen Erzieher und Organisator voller Begeisterung für „seine“ VHS.                                                                                                          Emil Guttek

Quellenverzeichnis:

Donnepp, Bert: Zeitzeugen befragt. Interviews und Gespräche für „Volkshochschulen im Westen“, Dortmund 1984
Donnepp, Bert (Hrsg.): neue medien Jahrbuch ’85
Donnepp, Bert: Warnung vor Nicht-Änderung, in: Stadt Marl (Hrsg.): 25 Jahre „die insel“, Marl 1975
Eintrag „Donnepp, Bert“ in: Munzinger Online/Personen – Internationales Biographisches Archiv, URL: http://www.munzinger.de/document/00000014250 (abgerufen am 31.07.2023)
Habel, Walter (Hrsg.): Wer ist Wer? Das deutsche Who’s Who, Lübeck 1984
Haunfelder, Bernd: Nordrhein-Westfalen. Land und Leute. 1946-2006. Ein biographisches Handbuch, Münster 2006
Eckerland, Günther/Oehler, Hans in: Stadt Marl (Hrsg.): 25 Jahre „die insel“, Marl 1975, https://grimmefreunde.de/bert-donnepp-preis/ (abgerufen am 31.07.2023)
https://www.grimme-institut.de/ueber-uns/gebaeude (abgerufen am 31.07.2023)
Pöggeler, Franz: Neue Häuser der Erwachsenenbildung, Ratingen 1959, S. 30
Herbermann, Clemens: „Die ‚Insel‘. Beispiel eines städtischen Mittelpunktes“ in: Westfalenspiegel Nr. 3/1955
Backmann, Sibylle/Tekster, Thomas: Bert Donnepp und der Grimme-Preis: Ein Werkstattbericht zu einem Erschließungsprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in: LWL-Archivamt für Westfalen (Hrsg.): Archivpflege in Westfalen-Lippe Nr. 98/2023, S. 59-64
Die Welt vom 09.01.1960
WAZ vom 25.04.1975, 25.04.1979
Gespräch mit Karin Derichs-Kunstmann vom 10.08.2023
Gespräch mit Thomas Tekster vom 17.08.2023

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